Tolino oder Kindle? Ein ausführlicher Vergleich

Autor: Nicolas Perez-Diehl Veröffentlicht: 16.09.2022

Du möchtest Dir einen eBook-Reader zulegen, bist aber noch unsicher, ob Du Dich für Tolino oder Kindle entscheiden sollst?

Dann bist Du hier genau richtig!

Ich stelle Dir die beiden Plattformen vor, zeige Dir, wo die Unterschiede liegen und verrate, auf welche Vor- und Nachteile Du achten solltest.

Danach solltest Du eine fundierte Entscheidung treffen können! 🙂

Tolino vs. Kindle: Was ist besser?

Tja, diese Frage ist gar nicht so leicht zu beantworten…

Denn beim Vergleich von Tolino und Kindle muss man sich sowohl die eBook-Reader als auch das System bzw. die Plattform dahinter anschauen.

Und:

Einen klaren Gewinner kann es hier eigentlich gar nicht geben, da es vor allem auch darauf ankommt, was Dir persönlich wichtig ist.

Anstatt einen direkten Vergleich zu erzwingen, werde ich Dir beide Plattformen im Detail vorstellen und die Vor- und Nachteile aufzählen.

Außerdem werde ich Dir jeweils die aktuellen eReader-Modelle vorstellen.

Auf dieser Grundlage solltest Du dann eine fundierte Entscheidung treffen können.

Viel Spaß! 🙂

Vorstellung: Tolino

Die Marke Tolino ist ein Zusammenschluss der größten deutschen Buchhändler (Thalia / Meyersche, Hugendubel, Weltbild & Co.).

Das Projekt wurde 2013 ins Leben gerufen, um in Konkurrenz zu Amazons Kindle zu treten und damit die Marktposition der Buchhandlungen zu stärken.

Auch die Deutsche Telekom war ursprünglich Teil der sogenannten „Tolino-Allianz“ und sowohl für die Hard- als auch für die Software verantwortlich.

Seit Anfang 2017 werden Geräte und Software vom kanadischen Unternehmen Kobo entwickelt, das wiederum Teil des japanischen Konzerns Rakuten ist.

Im Gegensatz zu Amazon setzt Tolino auf ein offenes System. Das heißt: Anstatt ein eigenes eBook-Format zu nutzen, setzt man auf das weit verbreitete Standard-Format EPUB.

Der große Vorteil:

Durch das weit verbreitete Format bist Du als Nutzer weder an ein bestimmtest Format noch ein eine bestimmte Buchhandlung bzw. einen bestimmten Online-Shop gebunden.

Außerdem kannst Du mit dem Tolino über das Ausleihsystem der deutschen Stadtbibliotheken („Onleihe“) auch ganz bequem E-Books ausleihen. Mit dem Kindle ist das hingegen nicht möglich!

Tolino eReader Modelle

Aktuell gibt es vier verschiedene Tolino-Modelle. Da ist für alle Anforderungen und für jedes Budget das richtige dabei:

  • Tolino Page 2
  • 6 Zoll / 212 ppi
  • 8 GB
    + 25 GB Cloud-Speicher
  • ab 69,00€
  • Modell ansehen
  • Tolino Shine 3
  • 6 Zoll / 300 ppi
  • 8 GB
    + 25 GB Cloud-Speicher
  • ab 85,00€
  • Modell ansehen
  • Tolino Vision 6
  • 7 Zoll / 300 ppi
  • 16 GB
    + 25 GB Cloud-Speicher
  • ab 157,90€
  • Modell ansehen
  • Tolino Epos 3
  • 8 Zoll / 300 ppi
  • 32 GB
    + 25 GB Cloud-Speicher
  • ab 279,00€
  • Modell ansehen

Hinweis: Hier findest Du eine ausführlichen Tolino-Vergleich (alle Modelle im Detail-Check).

Vorteile von Tolino

  • Flexibilität | Du kannst Deine E-Books dort kaufen, wo Du willst und bist grundsätzlich an keinen Händler gebunden.
  • Tolino-Cloud | Als Tolino-Nutzer hast Du Zugriff auf die Cloud mit 25 GB Speicherplatz. Dort kannst Du E-Books (und Hörbücher) speichern und jederzeit auf Deinen eReader herunterladen. Durch die Cloud wird der Lesefortschritt jederzeit synchronisiert.
  • Family-Sharing | Du kannst Deine E-Books mit bis zu 6 Personen teilen, die im selben Haushalt wohnen.
  • Onleihe | Über die Onleihe-Plattform kannst Du bei Deiner lokalen Stadtbibliothek digitale Bücher ausleihen.
  • Tolino-App | Auch über die kostenlose Tolino-App kannst Du E-Books lesen und Hörbücher anhören (verfügbar für iOS und Android).
  • Große Auswahl | Da Du bei verschiedenen Buchhandlungen einkaufen kannst, steht Dir ein Sortiment von insgesamt mehr als 3 Millionen Titeln zur Auswahl.

Nachteile von Tolino

  • Geringere Auswahl | Im Vergleich zur Amazon-Plattform ist die Auswahl an E-Books insgesamt etwas geringer.
  • Kein Zugriff auf Amazon | Als Tolino-Nutzer hast Du keinen Zugriff auf das eBook-Sortiment von Amazon, da die Tolino-Geräte das Kindle-Format (AZW3) nicht öffnen können.

Vorstellung: Kindle

Bereits im Jahr 2004 startete bei Amazon die Entwicklung eines eReaders. In typischer Manier soll Jeff Bezos den Projektleiter angewiesen haben, so vorzugehen, als ob es sein Ziel wäre, alle, die physische Bücher verkaufen, arbeitslos zu machen.

Auch wenn dies (glücklicherweise) bis heute nicht gelungen ist, so hat es Amazon doch geschafft, mit den Kindle-Geräten ein Produkt zu erschaffen, das den Lese-Markt ein Stück weit revolutioniert hat.

Nicht umsonst geht das Kindle-Einsteigermodell im Oktober 2022 bereits in die 11. Produkt-Generation.

Im Gegensatz zum Tolino hat Amazon beim Kindle die volle Kontrolle über Soft- und Hardware — ähnlich wie bei Apple kommt hier also alles aus einem Guss. Dies hat zur Folge, dass die Kindle-Geräte meist etwas flüssiger laufen.

Der wohl entscheidenste Unterschied zum Tolino ist aber wohl das verwendete eBook-Format. Hier setzt Amazon auf AZW3 — eine Eigenentwicklung, die nur von Kindle-Geräten geöffnet werden kann. Hier lautet das Stichwort: Kundenbindung.

Allerdings ist Amazon dabei, dieses geschlossene System etwas aufzuweichen. In 2022 hat man angekündigt, dass man nun auch eBooks im EPUB-Format relativ einfach an das Kindle senden und lesen kann.

Das bedeutet für Dich, dass Du künftig auch eBooks, die Du z.B. bei Thalia gekauft hast, auf dem Kindle lesen kannst.

Für Tolino dürfte das ein Schlag ins Gesicht sein, da man ein nicht zu unterschätzendes Verkaufsargument für die eigenen Lesegeräte verliert…

Kindle eReader Modelle

Insgesamt gibt es 6 verschiedene Kindle-Modelle — ich zeige Dir hier die 4 wichtigsten:

  • Kindle Kids
  • 6 Zoll / 300 ppi
  • 16 GB
    + Cloud-Speicher
  • ab 119,99€
  • Modell ansehen
  • Kindle Paperwhite
  • 6,8 Zoll / 300 ppi
  • 8 GB
    + Cloud-Speicher
  • ab 129,99€
  • Modell ansehen
  • Kindle Oasis
  • 7 Zoll / 300 ppi
  • 8 / 32 GB
    + Cloud-Speicher
  • ab 229,99€
  • Modell ansehen

Hinweis: Hier findest Du eine ausführlichen Kindle Vergleich (alle Modelle im Detail-Check).

Vorteile von Kindle

  • Riesige Auswahl | Bei Amazon hast Du Zugriff auf über 5 Millionen E-Books. Durch die Öffnung der Kindle-Geräte für EPUB-Dokumente hast Du nun auch Zugriff auf das Sortiment der klassischen Buchhandlungen (Thalia & Co.).
  • Kindle-Cloud | Alle E-Books, die Du bei Amazon kaufst, werden automatisch und kostenlos in der Cloud gespeichert. Du kannst sie natürlich jederzeit auf das Kindle-Gerät herunterladen.
  • Hörbücher | Auf den Kindle-Geräten kannst Du neben eBooks auch Hörbücher speichern und abspielen (allerdings nur über Bluetooth-Lautsprecher oder -Kopfhörer).
  • Kindle Direct Publishing | Du hast Zugriff auf tausende E-Books, die von den Autoren im Eigenverlag über Kindle-Direct-Publishing veröffentlicht werden. Bei den klassischen Buchhandlungen sind diese Bücher nicht verfügbar.
  • Kindle-App | Du kannst Deine E-Books auch über die kostenlose Kindle-App lesen (verfügbar für iOS und Android).
  • Prime Reading | Als Amazon Prime-Mitglied profitierst Du von Prime Reading. Hier steht Dir eine ständig wechselnde Auswahl an E-Books zur Verfügung, die Du ohne weitere Kosten einfach lesen kannst.

Nachteile von Kindle

  • Kein Zugriff auf Onleihe | Mit Kindle hast Du keinen Zugriff auf die digitalen Leih-Bücher der Stadtbibliotheken (Onleihe).
  • EPUB-Format nur umständlich öffnen | Es ist nicht möglich, eBooks im EPUB-Format direkt auf dem Kindle zu öffnen. Du musst sie erst umständlich an das Kindle senden.

Fazit: Tolino oder Kindle?

Bislang war die Sache eigentlich recht einfach:

Wer sich nicht von Amazon abhängig machen, bei den etablierten Buchhandlungen einkaufen und von der digitalen Leih-Bibliothek profitieren will, der greift zum Tolino.

Und wer ohnehin schon Amazon-Kunde oder sogar Prime-Mitglied ist, für den ergibt ein Kindle einfach mehr Sinn, da es perfekt in das Amazon-Ökosystem integriert ist.

Da Amazon jetzt aber in die Offensive gegangen ist und das Kindle-System für eBooks im EPUB-Format geöffnet hat, verliert der Tolino de facto ein wichtiges Verkaufsargument.

Der einzige „echte“ Vorteil der Tolino-Geräte, der weiterhin Bestand hat, ist der bequeme Zugang zur Onleihe-Plattform, auf der man E-Books ausleihen kann.

Alles andere kann der Kindle (mittlerweile) auch…

Objektiv betrachtet macht der Kindle also das Rennen.

So einfach ist es in der Praxis dann aber doch nicht.

Denn genau wie in allen anderen Lebensbereichen, spielen auch hier „weiche Faktoren“ eine Rolle (z.B. individuelle Vorlieben und Geschmäcker).

Es gibt sicherlich Menschen, die die Tolino-Geräte schlichtweg schöner finden oder sich aus Prinzip für einen Tolino entscheiden, um den deutschen Buchhandel zu unterstützen.

Es ist und bleibt also eine sehr individuelle Angelegenheit.