Tolino oder Kindle? Alle Unterschiede erklärt!

Autor: Nicolas Perez-Diehl Zuletzt aktualisiert: 07.05.2024

Du möchtest Dir einen eBook-Reader zulegen, bist aber noch nicht sicher, ob Du Dich für Tolino oder Kindle entscheiden sollst? Dann bist Du hier genau richtig. 🙂

Ich stelle Dir die beiden Plattformen vor, zeige Dir, wo die Unterschiede liegen und verrate, auf welche Vor- und Nachteile Du achten solltest.

Tolino vs. Kindle: Was ist besser?

Diese Frage ist gar nicht so leicht zu beantworten. Denn bei der Gegenüberstellung von Tolino und Kindle muss man sich neben den eBook-Readern (also den Geräten) auch das System bzw. die Plattform dahinter anschauen.

Und hier kommt es vor allem darauf an, was Dir persönlich wichtig ist und welche Plattform sich einfacher in Deinen Alltag integrieren lässt. Einen klaren (objektiven) Gewinner kann es meiner Meinung nach also gar nicht geben.

Anstatt einen direkten Vergleich zu erzwingen, werde ich Dir beide Plattformen im Detail vorstellen und auf die jeweiligen Vor- und Nachteile eingehen. Außerdem werfen wir natürlich auch ein Blick auf die aktuellen eReader-Modelle.

Vorstellung: Tolino

Screenshot: mytolino.de

Die Marke Tolino ist ein Zusammenschluss der größten deutschen Buchhändler (u.a. Thalia / Meyersche, Hugendubel, Weltbild). Das Projekt wurde 2013 ins Leben gerufen, um in Konkurrenz zu Amazons Kindle zu treten und damit die Marktposition der Buchhandlungen zu stärken.

Auch die Deutsche Telekom war ursprünglich Teil der sogenannten „Tolino-Allianz“ und sowohl für die Hard- als auch für die Software verantwortlich.

Seit Anfang 2017 werden Geräte und Software vom kanadischen Unternehmen Kobo entwickelt, das wiederum Teil des japanischen Konzerns Rakuten ist.

Im Gegensatz zu Amazon setzt Tolino auf ein offenes System. Das heißt: Anstatt ein eigenes eBook-Format zu nutzen, verwendet man das weit verbreitete Standard-Format EPUB.

Der große Vorteil:

Durch das offene System bist Du als Nutzer weder an ein bestimmtes Format noch an eine bestimmte Buchhandlung bzw. einen bestimmten Online-Shop gebunden.

Außerdem kannst Du mit dem Tolino über das Ausleihsystem der deutschen Stadtbibliotheken (Onleihe) auch ganz bequem E-Books ausleihen. Mit dem Kindle ist das nicht möglich!

Der Zugang zur „Onleihe“ ist letztendlich das einzige echte Unterscheidungsmerkmal zwischen dem Kindle- und dem Tolino-System.

Tolino eReader Modelle

Aktuell gibt es vier verschiedene Tolino-Modelle, auf denen es sich dank dem E-Ink-Display liest wie auf echtem Papier.

Im Verlauf der letzten zehn Jahre wurden die Geräte immer weiter verbessert und mit neuen Features ausgestattet. Mittlerweile befinden sich die Geräte bereits in der 5. bzw. 6. Generation. Bei der Fertigung der neuen Modelle wird übrigens recyceltes Plastik verwendet.

Die Staffelung der Geräte nach Features und Verkaufspreis ist meiner Meinung nach leider nicht immer ganz gelungen, da die Mehrkosten nicht immer adäquat durch die Features gerechtfertigt werden.

Vorteile von Tolino

  • Flexibilität | Du kannst Deine E-Books kaufen wo Du willst und bist grundsätzlich an keinen Händler gebunden.
  • Tolino-Cloud | Du hast Zugriff auf die Tolino-Cloud mit 25 GB Speicherplatz. Dort kannst Du E-Books (und Hörbücher) speichern und jederzeit auf Deinen eReader herunterladen. Dein Lesefortschritt wird jederzeit synchronisiert.
  • Family-Sharing | Du kannst all Deine E-Books mit bis zu 6 Personen teilen, die im selben Haushalt leben.
  • Onleihe | Über die Onleihe-Plattform kannst Du bei Deiner lokalen Stadtbibliothek digitale Bücher ausleihen.
  • Tolino-App | Auch über die kostenlose Tolino-App kannst Du E-Books lesen und Hörbücher anhören (verfügbar für iOS und Android).

Nachteile von Tolino

  • Kein Zugriff auf Amazon | Als Tolino-Nutzer hast Du keinen Zugriff auf das eBook-Sortiment von Amazon. Das betrifft vor allem die Bücher, die von unabhängigen Autoren über Kindle Direct Publishing (KDP) veröffentlicht werden und nur bei Amazon erhältlich sind.
  • Geringere Auswahl | Obwohl Dir bei Tolino insgesamt mehr als 3 Millionen Titel zur Verfügung stehen, ist die Auswahl dennoch um einiges kleiner als bei Amazon (siehe vorheriger Punkt).

Vorstellung: Kindle

Bereits im Jahr 2004 (!) startete bei Amazon die Entwicklung eines eReaders. In typischer Manier soll Amazon-Gründer Jeff Bezos den Projektleiter angewiesen haben, so vorzugehen, als ob es sein Ziel wäre, alle, die physische Bücher verkaufen, arbeitslos zu machen.

Auch wenn dies (glücklicherweise) bis heute nicht gelungen ist, so hat es Amazon doch geschafft, mit den Kindle-Geräten ein Produkt zu erschaffen, das den Lese-Markt ein Stück weit revolutioniert hat.

Nicht ohne Grund ging das Kindle-Einsteigermodell im Oktober 2022 bereits in die 11. Produkt-Generation.

Im Gegensatz zum Tolino hat Amazon beim Kindle die volle Kontrolle über Soft- und Hardware (so wie man es z.B. auch von Apple kennt). Dies hat zur Folge, dass die Kindle-Geräte insgesamt meist etwas flüssiger laufen.

Der entscheidende Unterschied zum Tolino ist aber wohl das verwendete eBook-Format. Hier setzt Amazon auf AZW3 — eine Eigenentwicklung, die nur von Kindle-Geräten geöffnet werden kann. Hier lautet das Stichwort: Kundenbindung.

Allerdings ist Amazon dabei, dieses geschlossene System schrittweise zu öffnen. In 2022 hat man angekündigt, dass man nun auch eBooks im EPUB-Format z.B. vom Computer aus relativ einfach an das Kindle senden und lesen kann.

Das bedeutet für Dich, dass Du eBooks, die Du z.B. bei Thalia gekauft hast, jetzt auch auf dem Kindle lesen kannst. Für Tolino dürfte das tatsächlich ein Schlag ins Gesicht sein, da man ein nicht zu unterschätzendes Verkaufsargument für die eigenen Lesegeräte verliert.

Kindle eReader Modelle

Berücksichtigt man auch die Spezial-Ausführungen, kommt man insgesamt auf sieben verschiedene Kindle-Modelle. Die Auswahl ist – typisch für Amazon – also ziemlich groß, dafür aber manchmal etwas unübersichtlich. Für eine erste Übersicht genügt es, sich die 5 Hauptmodelle anzuschauen.

Eine Besonderheit: Fast alle Modelle sind in einer speziellen Version „Mit Werbung“ erhältlich, die 10-20 Euro günstiger ist als die Version „Ohne Werbung“. Bei der Version „Mit Werbung“ werden z.B. auf dem Sperrbildschirm gesponserte Inhalte angezeigt. Während des Lesens wird aber selbstverständlich keine Werbung eingeblendet! 😀

Außerdem gibt es ein Gerät, das extra für Kinder entwickelt wurde („Kids“) und ein fortschrittliches Modell mit Schreibfunktion („Scribe“).

  • Kindle Scribe eReader Modell

    Kindle Scribe

  • 10,2 Zoll / 300 ppi
  • 8 / 16 / 32 GB
  • ab 369,99€
  • Modell ansehen*

Vorteile von Kindle

  • Riesige Auswahl | Bei Amazon hast Du Zugriff auf über 5 Millionen E-Books. Durch die Öffnung der Kindle-Geräte für EPUB-Dokumente hast Du nun auch Zugriff auf das Sortiment der klassischen Buchhandlungen (Thalia & Co.).
  • Kindle-Cloud | Alle E-Books, die Du bei Amazon kaufst, werden automatisch und kostenlos in der Cloud gespeichert. Du kannst sie natürlich jederzeit auf das Kindle-Gerät herunterladen.
  • Kindle Direct Publishing | Du hast Zugriff auf tausende E-Books, die von den Autoren im Eigenverlag über Kindle-Direct-Publishing (KDP) veröffentlicht werden. Bei den klassischen Buchhandlungen sind diese Bücher nicht verfügbar.
  • Kindle-App | Du kannst Deine E-Books auch über die kostenlose Kindle-App lesen (verfügbar für iOS und Android).
  • Prime Reading | Wenn Du Amazon Prime-Mitglied bist, profitierst Du zusätzlich von Prime Reading. Hier steht Dir eine ständig wechselnde Auswahl an E-Books zur Verfügung, die Du ohne weitere Kosten lesen kannst.

Nachteile von Kindle

  • Kein Zugriff auf Onleihe | Mit Kindle hast Du keinen Zugriff auf die digitalen Leih-Bücher der deutschen Stadtbibliotheken (über die Onleihe-Plattform).
  • EPUB-Format nur umständlich öffnen | Es ist (noch) nicht möglich, eBooks im EPUB-Format direkt auf dem Kindle zu öffnen. Du musst sie erst an das Kindle senden.

Fazit: Tolino oder Kindle?

Bislang war die Sache eigentlich recht einfach:

Wer sich nicht von Amazon abhängig machen, bei den etablierten Buchhandlungen einkaufen und von der digitalen Leih-Bibliothek profitieren will, der greift zum Tolino.

Und wer ohnehin schon Amazon-Kunde oder sogar Prime-Mitglied ist, für den ergibt ein Kindle einfach mehr Sinn, weil das Gerät perfekt in das Amazon-Ökosystem integriert ist.

Da Amazon jetzt aber in die Offensive gegangen ist und das Kindle-System für eBooks im EPUB-Format geöffnet hat, verliert der Tolino de facto ein wichtiges Verkaufsargument.

Der einzige „echte“ Vorteil der Tolino-Geräte, der weiterhin Bestand hat, ist der bequeme Zugang zur Onleihe-Plattform, über die Du E-Books ausleihen kannst.

Alles andere kann der Kindle (mittlerweile) auch…

Man könnte daher sagen, dass der Kindle den direkten Vergleich für sich entscheidet. 

So einfach ist es in der Praxis dann aber doch nicht.

Denn neben der Plattform bzw. der Software gibt es ja auch noch die Geräte an sich. Und hier kommt es neben der Performance, dem Akku und der Handhabung immer auch auf den individuellen Geschmack an.

Es gibt sicherlich Menschen, die die Tolino-Modelle schlichtweg schöner finden als die Kindle-Modelle (und umgekehrt).

Hinzu kommen andere „weiche Faktoren“, die die Kaufentscheidung beeinflussen. Im Internet ist z.B. immer wieder zu lesen, dass sich Kunden aus Prinzip für einen Tolino entscheiden, da sie den deutschen Buchhandel aktiv unterstützen möchten.

Es ist und bleibt letztendlich also eine sehr individuelle Angelegenheit.

Ich hoffe trotzdem, dass ich Dir bei der Entscheidungsfindung helfen konnte! 🙂

Wenn Du noch unsicher sein solltest, kannst Du Dich hier jeweils noch einmal im Detail mit den beiden Systemen auseinandersetzen:

Alle Infos zu Tolino Alle Infos zu Kindle