Tolino oder Kindle? Alle Unterschiede erklärt!

Autor: Nicolas Perez-Diehl Zuletzt aktualisiert: 10.01.2023

Du möchtest Dir einen eBook-Reader zulegen, bist aber noch unsicher, ob Du Dich für Tolino oder Kindle entscheiden sollst? Dann bist Du hier genau richtig!

Ich stelle Dir die beiden Plattformen vor, zeige Dir, wo die Unterschiede liegen und verrate, auf welche Vor- und Nachteile Du achten solltest.

Tolino vs. Kindle: Was ist besser?

Diese Frage ist gar nicht so leicht zu beantworten. Denn bei der Gegenüberstellung von Tolino und Kindle muss man sich neben den eBook-Readern auch das System bzw. die Plattform dahinter anschauen.

Und hier kommt es vor allem darauf an, was Dir persönlich wichtig ist und welche Plattform sich einfacher in Deinen Alltag integrieren lässt. Einen klaren (objektiven) Gewinner kann es meiner Meinung nach also gar nicht geben.

Anstatt einen direkten Vergleich zu erzwingen, werde ich Dir beide Plattformen im Detail vorstellen und auf die jeweiligen Vor- und Nachteile eingehen. Außerdem werfen wir natürlich auch ein Blick auf die aktuellen eReader-Modelle.

Vorstellung: Tolino

Screenshot: mytolino.de

Die Marke Tolino ist ein Zusammenschluss der größten deutschen Buchhändler (u.a. Thalia / Meyersche, Hugendubel, Weltbild). Das Projekt wurde 2013 ins Leben gerufen, um in Konkurrenz zu Amazons Kindle zu treten und damit die Marktposition der Buchhandlungen zu stärken.

Auch die Deutsche Telekom war ursprünglich Teil der sogenannten „Tolino-Allianz“ und sowohl für die Hard- als auch für die Software verantwortlich.

Seit Anfang 2017 werden Geräte und Software vom kanadischen Unternehmen Kobo entwickelt, das wiederum Teil des japanischen Konzerns Rakuten ist.

Im Gegensatz zu Amazon setzt Tolino auf ein offenes System. Das heißt: Anstatt ein eigenes eBook-Format zu nutzen, setzt man auf das weit verbreitete Standard-Format EPUB.

Der große Vorteil:

Durch das offene Format bist Du als Nutzer weder an ein bestimmtest Format noch ein eine bestimmte Buchhandlung bzw. einen bestimmten Online-Shop gebunden.

Außerdem kannst Du mit dem Tolino über das Ausleihsystem der deutschen Stadtbibliotheken („Onleihe“) auch ganz bequem E-Books ausleihen. Mit dem Kindle ist das hingegen nicht möglich!

Der Zugang zur „Onleihe“ ist also das einzige echte Unterscheidungsmerkmal zwischen dem Kindle- und dem Tolino-System.

Tolino eReader Modelle

Aktuell gibt es vier verschiedene Tolino-Modelle, auf denen es sich dank dem E-Ink-Display liest, wie auf echtem Papier.

In den letzten zehn Jahren wurden die Geräte immer wieder verbessert und mit neuen Features ausgestattet. Mittlerweile befinden sich die Geräte bereits in der 4. bzw. 6. Generation.

Die Staffelung der Geräte nach Features und Verkaufspreis ist meiner Meinung nach leider nicht immer ganz gelungen. Ein Grund dafür ist sicherlich, dass sich die Geräte-Generationen überschneiden.

Vorteile von Tolino

  • Flexibilität | Du kannst Deine E-Books dort kaufen, wo Du willst und bist grundsätzlich an keinen Händler gebunden.
  • Tolino-Cloud | Als Tolino-Nutzer hast Du Zugriff auf die Cloud mit 25 GB Speicherplatz. Dort kannst Du E-Books (und Hörbücher) speichern und jederzeit auf Deinen eReader herunterladen. Durch die Cloud wird der Lesefortschritt jederzeit synchronisiert.
  • Family-Sharing | Du kannst Deine E-Books mit bis zu 6 Personen teilen, die im selben Haushalt wohnen.
  • Onleihe | Über die Onleihe-Plattform kannst Du bei Deiner lokalen Stadtbibliothek digitale Bücher ausleihen.
  • Tolino-App | Auch über die kostenlose Tolino-App kannst Du E-Books lesen und Hörbücher anhören (verfügbar für iOS und Android).

Nachteile von Tolino

  • Kein Zugriff auf Amazon | Als Tolino-Nutzer hast Du keinen Zugriff auf das riesige eBook-Sortiment von Amazon. Das betrifft vor allem die Bücher, die über Kindle Direct Publishing (KDP) veröffentlicht werden und somit auch nur bei Amazon erhältlich sind.
  • Geringere Auswahl | Obwohl Dir bei Tolino insgesamt mehr als 3 Millionen Titel zur Verfügung stehen, ist die Auswahl dennoch um einiges kleiner als bei Amazon (siehe auch vorherigen Punkt).

Vorstellung: Kindle

Bereits im Jahr 2004 startete bei Amazon die Entwicklung eines eReaders. In typischer Manier soll Amazon-Gründer Jeff Bezos den Projektleiter angewiesen haben, so vorzugehen, als ob es sein Ziel wäre, alle, die physische Bücher verkaufen, arbeitslos zu machen.

Auch wenn dies (glücklicherweise) bis heute nicht gelungen ist, so hat es Amazon doch geschafft, mit den Kindle-Geräten ein Produkt zu erschaffen, das den Lese-Markt ein Stück weit revolutioniert hat.

Nicht umsonst geht das Kindle-Einsteigermodell im Oktober 2022 bereits in die 11. Produkt-Generation.

Im Gegensatz zum Tolino hat Amazon beim Kindle die volle Kontrolle über Soft- und Hardware — ähnlich wie bei Apple kommt hier also alles aus einem Guss. Dies hat zur Folge, dass die Kindle-Geräte meist etwas flüssiger laufen.

Der wohl entscheidenste Unterschied zum Tolino ist aber wohl das verwendete eBook-Format. Hier setzt Amazon auf AZW3 — eine Eigenentwicklung, die nur von Kindle-Geräten geöffnet werden kann. Hier lautet das Stichwort: Kundenbindung.

Allerdings ist Amazon dabei, dieses geschlossene System etwas aufzuweichen. In 2022 hat man angekündigt, dass man nun auch eBooks im EPUB-Format relativ einfach an das Kindle senden und lesen kann.

Das bedeutet für Dich, dass Du künftig auch eBooks, die Du z.B. bei Thalia gekauft hast, auf dem Kindle lesen kannst. Für Tolino dürfte das tatsächlich ein Schlag ins Gesicht sein, da man ein nicht zu unterschätzendes Verkaufsargument für die eigenen Lesegeräte verliert…

Kindle eReader Modelle

Wenn man auch die Spezial-Ausführungen berücksichtigt, kommt man insgesamt auf sieben verschiedene Kindle-Modelle. Die Auswahl ist – typisch für Amazon – also ziemlich groß, dafür aber manchmal etwas unübersichtlich. Für eine erste Übersicht genügt es, sich die 5 Hauptmodelle anzuschauen.

Eine Besonderheit: Fast alle Modelle sind in einer speziellen Version „Mit Werbung“ erhältlich, die 10-20 Euro günstiger ist als die Version „Ohne Werbung“. Bei der Version „Mit Werbung“ wird z.B. auf dem Sperrbildschirm gesponserte Inhalte angezeigt. Das Lesen ist aber natürlich weiterhin unterbrechungsfrei möglich!

Außerdem gibt es ein Gerät extra für Kinder („Kids“) und ein fortschrittliches Modell mit Schreibfunktion („Scribe“).

  • Kindle Scribe eReader Modell

    Kindle Scribe

  • 10,2 Zoll / 300 ppi
  • 8 / 16 / 32 GB
  • ab 369,99€
  • Modell ansehen*

Vorteile von Kindle

  • Riesige Auswahl | Bei Amazon hast Du Zugriff auf über 5 Millionen E-Books. Durch die Öffnung der Kindle-Geräte für EPUB-Dokumente hast Du nun auch Zugriff auf das Sortiment der klassischen Buchhandlungen (Thalia & Co.).
  • Kindle-Cloud | Alle E-Books, die Du bei Amazon kaufst, werden automatisch und kostenlos in der Cloud gespeichert. Du kannst sie natürlich jederzeit auf das Kindle-Gerät herunterladen.
  • Hörbücher | Auf den Kindle-Geräten kannst Du neben eBooks auch Hörbücher speichern und abspielen (allerdings nur über Bluetooth-Lautsprecher oder -Kopfhörer).
  • Kindle Direct Publishing | Du hast Zugriff auf tausende E-Books, die von den Autoren im Eigenverlag über Kindle-Direct-Publishing veröffentlicht werden. Bei den klassischen Buchhandlungen sind diese Bücher nicht verfügbar.
  • Kindle-App | Du kannst Deine E-Books auch über die kostenlose Kindle-App lesen (verfügbar für iOS und Android).
  • Prime Reading | Als Amazon Prime-Mitglied profitierst Du von Prime Reading. Hier steht Dir eine ständig wechselnde Auswahl an E-Books zur Verfügung, die Du ohne weitere Kosten einfach lesen kannst.

Nachteile von Kindle

  • Kein Zugriff auf Onleihe | Mit Kindle hast Du keinen Zugriff auf die digitalen Leih-Bücher der deutschen Stadtbibliotheken (über die Plattform Onleihe).
  • EPUB-Format nur umständlich öffnen | Es ist (noch) nicht möglich, eBooks im EPUB-Format direkt auf dem Kindle zu öffnen. Du musst sie erst umständlich an das Kindle senden.

Fazit: Tolino oder Kindle?

Bislang war die Sache eigentlich recht einfach:

Wer sich nicht von Amazon abhängig machen, bei den etablierten Buchhandlungen einkaufen und von der digitalen Leih-Bibliothek profitieren will, der greift zum Tolino.

Und wer ohnehin schon Amazon-Kunde oder sogar Prime-Mitglied ist, für den ergibt ein Kindle einfach mehr Sinn, weil das Gerät perfekt in das Amazon-Ökosystem integriert ist.

Da Amazon jetzt aber in die Offensive gegangen ist und das Kindle-System für eBooks im EPUB-Format geöffnet hat, verliert der Tolino de facto ein sehr wichtiges Verkaufsargument.

Der einzige „echte“ Vorteil der Tolino-Geräte, der weiterhin Bestand hat, ist der bequeme Zugang zur Onleihe-Plattform, auf der man E-Books ausleihen kann.

Alles andere kann der Kindle (mittlerweile) auch…

Man könnte daher sagen, dass der Kindle den direkten Vergleich für sich entscheidet. 

So einfach ist es in der Praxis dann aber doch nicht.

Denn neben der Plattform bzw. der Software gibt es ja auch noch die Geräte an sich. Und hier kommt es neben der Performance, dem Akku und der Handhabung immer auch auf den individuellen Geschmack an.

Es gibt sicherlich Menschen, die die Kindle-Modelle schlichtweg schöner finden als die Tolino-Modelle (und umgekehrt).

Hinzu kommen andere „weiche Faktoren“, die die Kaufentscheidung beeinflussen. Im Internet ist z.B. immer wieder zu lesen, dass sich Kunden aus Prinzip für einen Tolino entscheiden, da sie den deutschen Buchhandel aktiv unterstützen möchten.

Es ist und bleibt letztendlich also eine sehr individuelle Angelegenheit.

Ich hoffe trotzdem, dass ich Dir bei der Entscheidungsfindung helfen konnte!

Wenn Du immer noch unsicher sein solltest, kannst Du Dich hier jeweils noch einmal im Detail mit den beiden Systemen auseinandersetzen:

Alle Infos zu Tolino Alle Infos zu Kindle