Fair Trade Handy / faires Smartphone: Informationen & Modellübersicht

Autor: Nicolas Perez-Diehl Zuletzt aktualisiert: 10.08.2022

Wohl kaum ein Produkt wird von uns so sehr geliebt wie das Smartphone. Doch im Rausch des rasanten technischen Fortschritts vergessen wir schnell, unter welchen katastrophalen Bedingungen die notwendigen Rohstoffe abgebaut werden und welche Folgen die Smartphone-Flut für unsere Umwelt hat.

In diesem Artikel stellen wir Dir zwei Hersteller von Fair Trade Handys vor, die die Fairness bzw. die Nachhaltigkeit ihrer Modell in den Fokus stellen.

Weiter unten findest Du außerdem umfangreiche Informationen darüber, welche Rohstoffe für die Herstellung von Handys benötigt werden, wo diese herkommen, wie sie abgebaut werden und welche Auswirkungen die Massenproduktion von Smartphones für unsere Umwelt hat.

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Modellübersicht: aktuelle faire Smartphones

Hier findest Du alle aktuellen Modelle, die von den beiden führenden (und einzigen) Herstellern FAIRPHONE und SHIFTPHONES angeboten werden. Es gibt noch weitere / ältere Modelle – diese sind derzeit aber nicht mehr erhältlich.

Porträt: Wer steckt hinter Fairphone?

FAIRPHONE Website (Screenshot)

Hinter dem Fairphone steckt das gleichnamige Unternehmen Fairphone B.V. mit Sitz in Amsterdam.

Im Jahr 2010 wurde es vom niederländischen Elektroingenieur Bas van Abel zunächst als Aufklärungskampagne über Konfliktmineralien gegründet.

Nur drei Jahre später wurde es in eine eigenständige Firma umgewandelt. Das Unternehmen bezeichnet sich selbst als „Social Enterprise“ und beschäftigt mittlerweile mehr als 70 Mitarbeiter.

Die Fairphone B.V. ist jedoch viel mehr als nur eine weitere Firma, die Smartphones herstellt.

Das Unternehmen sieht sich selbst weniger als Hersteller, sondern vielmehr als Initiator einer Bewegung, die sich für fair produzierte Elektronikgeräte einsetzt und gleichzeitig auch die Nachfrage nach ebensolchen Produkten ankurbeln möchte.

Neben der Verwendung nachhaltiger bzw. recycelter Materialien für die Smartphones liegt dem Unternehmen vor allem auch der faire Umgang mit allen Mitarbeitern am Herzen.

In Bezug auf die verwendeten Materialien verfolgt man einen sehr pragmatischen Ansatz, wie folgendes Zitat zeigt:

Und wenn es keine fairen Materialien und verantwortungsvollen Hersteller gibt, arbeiten wir mit der Bevölkerung vor Ort und der gesamten Branche daran, sie zu schaffen.[1]

Darüber hinaus vermeidet man schon beim Versand der Handys zusätzlichen Elektroschrott, indem man sowohl das Ladekabel als auch das Ladegerät aus dem Lieferumfang gestrichen hat.

Das ist ein logischer Schritt, da die Kabel bzw. Stecker standardisiert sind und es wahrscheinlich ist, dass das Kabel vom Vorgängerhandy noch funktioniert.

Bei Bedarf können Kabel und Stecker einfach mit in den Warenkorb gelegt werden.

Ein langlebiges & modulares Design

Ein wichtiger Eckpfeiler der nachhaltigen Strategie von Fairphone ist die Langlebigkeit der Produkte.

Das Unternehmen setzt auf eine modulare Bauweise, die es den Nutzern ermöglicht, einzelne Bauteile ganz einfach auszutauschen, anstatt sich gleich ein neues Smartphone zuzulegen.

Alle verfügbaren Ersatzteile können ganz einfach im Online-Shop bestellt werden. Dazu gehören etwa der Akku, das Display, Front- und Hauptkamera und sogar die Lautsprecher.

Mithilfe von Reparaturanleitungen können die Ersatzteile auch ohne technische Kenntnisse ausgetauscht werden.

Wer dann doch irgendwann auf ein neueres Modell umsteigen möchte, kann das alte Smartphone einem Recyclingpartner zukommen lassen.

Die gebrauchten Handys werden dann entweder für den Zweitmarkt aufbereitet oder ordnungsgemäß recycelt.

FAIRPHONE: modulares Design

Nachhaltige Materialien

Auch Fairphone ist es noch nicht möglich, ein Smartphone zu verkaufen, das zu 100% aus nachhaltigen bzw. fairen bzw. recycelten Materialien hergestellt wird.

Der Wille ist da, die Voraussetzungen lassen an mancher Stelle jedoch noch zu wünschen übrig: laut Fairphone existieren für einige Materialien schlichtweg noch keine fairen Abbaumethoden.

Wenn dies der Fall ist, versucht Fairphone dabei zu helfen, faire Methoden zu entwickeln und umzusetzen.

Allerdings sind deutliche Fortschritte zu erkennen. Im Jahr 2017 betrug der Anteil an nachhaltigen Ressourcen „nur“ 25,37%.

Im Jahr 2020 beträgt der Anteil schon 60% – eine tolle Steigerung!

Shiftphone im Porträt (das erste deutsche Smartphone)

SHIFTPHONES Website (Screenshot)

Hinter den Shiftphones steht die Firma SHIFT GmbH mit Sitz in Falkenberg (Hessen).

Gegründet wurde das Unternehmen im Jahr 2014 von den Brüdern Carsten und Samuel und ihrem Vater Rolf Waldeck. Öffentliche Auftritte und Interviews werden meist von Carsten übernommen.

Die beiden „Flaggschiffe“ SHIFT6m und SHIFT5me werden auf der Website als die modularsten Smartphones der Welt beworben.

Kein Wunder, denn das gesamte Handy lässt sich kinderleicht auseinander- und wieder zusammenstecken.

Damit ermöglicht man es den Besitzern einen schwächelnden Akku auszutauschen sowie auch neue bzw. technisch bessere Bauteile zu installieren, ohne sich gleich ein ganz neues Modell kaufen zu müssen.

„Gibt es ein neues Kameramodul, was einfach eine deutlich bessere Qualität hat, […] dann kann [der Nutzer] einfach ein neues Modul in das Smartphone einbauen und ist mit dem Gerät up-to-date.“[2]

Nachhaltige Materialien, Rohstoffe & Verpackungen

Auch die Shiftphones kommen nicht ohne den Einsatz von Rohstoffen wie etwa Zinn oder Gold aus. Nur stellenweise können besonders konfliktbelastete Rohstoffe durch andere Materialien ersetzt werden.

Dies ist beispielsweise bei Coltan bzw. Tantal der Fall, das in den Handys insbesondere für Mikro-Kondensatoren eingesetzt wird.

Bei den Shiftphones setzt man stattdessen auf Kondensatoren aus Keramik, die kein Tantal enthalten.

Bereits seit Dezember 2015 wird für die Shiftphones ausschließlich Zinn von „FairLötet“ eingesetzt. Auch in Sachen Lötpaste setzt man auf eine umweltfreundliche Alternative eines japanischen Herstellers.

Im offiziellen SHIFT-Wirkungsbericht (Stand: 01.05.2019) wird aufgezeigt, wie schwer es ist, zu 100% faire und nachhaltige Rohstoffe zu erhalten.

Insbesondere die Integration der Rohstoffe in die komplexe Lieferkette stellt eine große Herausforderung dar.

Sollte diese Integration in einzelnen Fällen nicht gelingen, verpflichtet man sich, die entstandenen „Schäden“ u.a. durch die Förderung von NGOs oder fairen Lieferanten auszugleichen.

Das nachhaltige Engagement macht auch vor den eingesetzten Verpackungen nicht halt:

Seit der Einführung des SHIFT6m, besteht die Verpackung vollständig aus Recyclingpapier bzw. unbeschichtetem Naturkarton – auf Plastik wird komplett verzichtet.

Pfandsystem

Nach dem Vorbild des Pfandflaschen-Systems ist im Kaufpreis ein sogenannter Gerätepfand in Höhe von 22 Euro enthalten. Dabei gilt: Je besser der Zustand des zurückgegebenen Geräts, desto höher auch der Rückkaufpreis.

Der Besitzer erhält in jedem Falle aber einen Gutschein im Wert von mindestens 22 Euro – egal in welchem Zustand das Gerät eingereicht wird.

Kann das Shiftphone noch „gerettet“ werden, wird es aufbereitet und weiterverkauft. Wenn das Phone nicht mehr zu gebrauchen ist, wird es vollständig zerlegt, um einzelne Bauteile für andere gebrauchte Geräte zu verwenden. Die verbliebenen Rohstoffe werden entsprechend recycelt.

Faire Produktion in China?

Die Shiftphones werden – wie die meisten anderen Smartphones auch – in China hergestellt bzw. zusammengebaut. Allerdings unterscheiden sich die Arbeitsbedingungen deutlich von der dort üblichen Praxis:

Die Arbeitszeit beträgt acht Stunden, das Wochenende ist frei, alle Mitarbeiter sind renten- und krankenversichert.

Für Europäer mag sich das nicht unbedingt revolutionär anhören, im Vergleich zu herkömmlichen chinesischen Fabriken unterscheiden sich die Bedingungen jedoch sehr deutlich.

SHIFTPHONES: Smartphone Produktion / Herstellung in China

Doch warum wird das erste deutsche Smartphone nicht auch in Deutschland produziert?

Carsten Waldeck erklärt:

„Wenn die Teile in Deutschland wären, würde wir es sofort in Deutschland machen. Es ist einfach so: [In China] sind die ganzen Teile, die werden hier zusammengeführt – es ist unglaublich kompliziert, die alle Stück für Stück [nach Deutschland] rüberzubringen.“[2]

Mehr als nur ein faires Smartphone

Klar, im Vordergrund steht die Entwicklung eines möglichst nachhaltigen Fair Trade Handy. Doch dahinter steckt bei Shiftphone noch ein bisschen mehr…

Das beginnt mit einer ungewöhnlichen Warnung, die auf der Rückseite der Geräte aufgedruckt ist:

Smartphones can be time killers. There is no greater gift for you today, than the next 24 hours. Use them wisely. People are more important than machines.

Darüber hinaus handelt es sich bei der SHIFT GmbH um ein Social Business. Das heißt: die Gewinne werden niemals an Privatpersonen oder Investoren ausgeschüttet.

Die Gründer / Geschäftsführer beziehen ein normales Gehalt, das nur 2-3 mal so hoch ist wie das niedrigste Gehalt innerhalb des Unternehmens.

Laut offiziellem Wirkungsbericht liegt der monatliche Spitzenverdienst bei 3.600 Euro brutto.[3] Absurde Gehälter und Boni in Millionenhöhe liegen hier also in weiter Ferne.

Zum Vergleich:

Im Jahr 2019 lag das Gehalt von Apple-Chef Tim Cook wohl bei rund 125 Millionen US-Dollar (Gehalt, Boni & Aktienanteile zusammengerechnet).

Weiterhin macht Carsten Waldeck in diversen Interviews darauf aufmerksam, dass wir vor einer der größten Veränderungen der Menschheitsgeschichte stehen: Dem Übergang von einer nicht vernetzten Welt zu einer vollständig digital vernetzten Welt.

„Wenn wir diese Veränderung nur dazu nutzen, um einige Unternehmen für einige Jahre ein wenig mächtiger oder einige Einzelpersonen ein wenig reicher zu machen, dann, denke ich, haben wir unsere Aufgabe nicht wirklich begriffen.“[4]

Hier kannst Du Dir einen kurzen Vortrag von Carsten Waldeck auf dem IFA+ Summit 2019 ansehen:

Was ist besser – Shiftphone oder Fairphone?

Auf die Frage, welches Öko-Handy das Bessere ist, gibt es unserer Meinung nach keine eindeutige Antwort.

Fest steht:

Beiden Herstellern ist es (noch) nicht möglich, ein zu 100% faires Smartphone zu produzieren.

Man ist jedoch sehr bestrebt, die Bedingungen immer weiter zu verbessern und neue Wege zu finden, um die Produktion und schließlich auch das Endprodukt nachhaltiger zu gestalten.

In Sachen Nachhaltigkeit / Fairness nehmen sich die beiden Hersteller nicht viel.

Um die Handys zu vergleichen, solltest Du Dir die technischen Daten anschauen und überlegen, was Dir besonders wichtig ist (z.B. eine möglichst gute Kamera oder ein starker Prozessor für Handy-Spiele).

Wer sich für ein nachhaltiges Smartphone entscheidet, muss in Sachen Performance und Ästhetik im Vergleich zu den Flaggschiffen von Apple & Co. natürlich Abstriche machen.

Schau Dir vor dem Kauf auch Test- und Review-Videos an, um eine Entscheidung zu treffen.

Hier einige Video-Tipps:

Ist das Mara Phone nachhaltig?

Das Mara Phone ist das erste Smartphone, das vollständig in Afrika produziert und hergestellt wird – genauer gesagt im ostafrikanischen Land Ruanda.

Alle Smartphones tragen das stolze Siegel “Made in Africa”.

Hinter dem Smartphone steht die Unternehmensgruppe Mara Corporation, die im Jahr 1996 gegründet wurde.

Unter dem Dach der Mara Corporation sind viele Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen untergebracht (u.a. Bankwesen, Immobilien und Technologie).

Das Mara Phone ist wichtig, um den afrikanischen Kontinent an die Spitze der Wertschöpfungskette zu hieven.

Bislang trat Afrika in der Smartphone-Produktion vor allem als Quelle von Rohstoffen in Erscheinung – das große Geld wird dann aber von den Tech-Konzernen in den USA, Südkorea oder China verdient.

Zur Zeit werden drei verschiedene Modelle angeboten: das Mara Z1, das Mara X1 und das Mara S. Inwiefern bei den Smartphones auf eine faire bzw. nachhaltige Produktion geachtet wird, ist jedoch noch relativ unklar.

Wie schlecht sind Handys wirklich für die Umwelt?

In diesem Artikel möchten wir Dir das Smartphone keinesfalls mies machen oder die Vorteile moderner Technik in Abrede stellen.

Es soll vielmehr darum gehen, sich genauer damit zu beschäftigen, welche Rohstoffe für die Herstellung eines Handys benötigt werden, wie diese gefördert werden und welcher logistische und produktionstechnische Aufwand hinter einem Handy steckt.

Auf den ersten Blick sind die heutigen Top-Smartphones sehr elegante, schmale und vor allem auch sehr leichte Geräte, die in jede Hosentasche passen.

Wie schmutzig kann ein solches Gerät schon sein?

Besonders interessant und für manche vielleicht sogar schockierend wird es, wenn man sich den sogenannten „Ökologischen Rucksack“ eines Smartphones einmal genauer anschaut.

Der imaginäre Rucksack soll zeigen, wie viele Ressourcen ein Handy im Laufe seines Lebens verbraucht.

Obwohl das Smartphone selbst nur etwas mehr als 100 Gramm auf die Waage bringt, wiegt der ökologische Rucksack ganze 75,3 Kilogramm.

Wie kommt diese hohe Zahl zustande? Ein Beispiel für Kupfer:

In einem Smartphone stecken rund 10 Gramm Kupfer. Um diese 10 Gramm herzustellen, müssen bereits knapp 3,5 kg Natur bewegt werden. Insgesamt verschlingt der Abbau aller benötigten Rohstoffe ganze 33,5 kg.

Hinzu kommen Weiterverarbeitung, Transport, die Nutzung des Handys selbst und dann auch die Entsorgung – das alles verbraucht große Mengen an Energie und Wasser.

In diesem Video beleuchtet RobBubble noch einmal die Folgen, die die Smartphone-Flust für unsere Umwelt und unsere Mitmenschen hat.

Welche Rohstoffe werden für die Handy-Produktion benötigt?

Auf den ersten Blick besteht ein Handy nur aus einem Display aus Glas, einem Gehäus aus Kunststoff und ein wenig Metall.

Damit das Smartphone jedoch funktioniert, werden mehr als 60 verschiedene Rohstoffe benötigt, die sich im Innern des Geräts verstecken. Darunter vor allem (Edel-) Metalle wie Gold, Kupfer und Silber.

In der Tabelle findest Du die am häufigsten verwendeten Metalle und wofür sie im Handy benötigt werden:

Metall Verwendung
Kupfer Platine (sehr gute Leitfähigkeit)
Eisen Schrauben
Gold Kontakt-Flächen von SIM-Karte / Akku
Indium LCD-Bildschirm (in der Regel weiterverarbeitet zu Indium-Zinn-Oxid)
Kobalt Grundlage für einen funktionsfähigen und wiederaufladbaren Akku
Tantal für die Herstellung von Kondensatoren (an vielen Stellen im Smartphone)
Aluminium im Innern des Geräts + Teile des Gehäuses
Wolfram Vibrationsalarm
Zinn wird für das Löten (Verbinden) der einzelnen Bauteile verwendet

In welchen Ländern werden Rohstoffe für Handys abgebaut?

Die Rohstoffe, die man für die Herstellung eines Smartphones benötigt, werden meist unter sehr schlechten Bedingungen abgebaut. Das gilt sowohl für die Arbeiter als auch für die Umwelt.

Arbeits- und Menschenrechte werden oft nicht allzu groß geschrieben – auch Kinderarbeit ist verbreitet. Doch woher kommen die Handy-Teil eigentlich?

In der folgenden Tabelle findest Du jeweils die Top 3 Länder mit den größten Reserven bzw. mit der größten Fördermenge:

Rohstoff Top 3 Ursprungsländer
Gold China, Australien, Russland
Silber Mexiko, Peru, China
Kupfer Chile, Peru, China
Aluminium China, Russland, Kanada
Indium China, Südkorea, Japan
Wolfram China, Vietnam, Russland
Kobalt DR Kongo, China, Kanada
Tantal Ruanda / DR Kongo, Brasilien, China
Zinn China, Indonesien, Brasilien
Eisen China, Japan, Indien
Lithium Bolivien, Argentinien, Chile
Silizium China, Russland, Norwegen
Nickel Indonesien, Philippinen, Russland
Mangan Südafrika, Ukraine, Brasilien
Palladium Russland, Südafrika, Kanada
Vanadium Südafrika, China, Russland

Du siehst, dass China bei vielen Rohstoffen die Nase vorne hat. Wenn man sich die absoluten Zahlen ansieht, wird der Abstand zu den Zweit- bzw. Drittplatzierten Ländern noch deutlicher.

Ein Beispiel:

Im Jahr 2019 förderte China unglaubliche 4.500.000 Tonnen Silizium. Weit abgeschlagen auf Platz 2 liegt Russland mit nur 600.000 Tonnen, Platz 3 belegt Norwegen mit 370.000 Tonnen.

Für viele Hersteller bietet es sich daher an, auch die Produktion der Smartphones nach China zu verlegen, da die Rohstoffe dann keinen weiten Transportweg mehr zurücklegen müssen, um verarbeitet zu werden.

Auch Shiftphone lässt seine Smartphones aus diesem Grund in China zusammenbauen – allerdings werden die Mitarbeiter hier fair bezahlt und haben jedes Wochenende frei.

Insbesondere für die beiden wichtigen Metalle Kobalt und Tantal sind die Abbaubedingungen in der Demokratischen Republik Kongo oft sehr schlecht.

Kinderarbeit ist verbreitet und die Minen sind oft nicht ausreichend gesichert.

Darüber hinaus gibt es Minen, die von Rebellen kontrolliert werden, weshalb beispielsweise Tantal als Konfliktrohstoff eingestuft wird.

In diesem Video kannst Du Dir ein eigenes Bild von den Bedingungen machen, unter denen in Bolivien Wolfram gefördert wird.

Und dieses Video zeigt, unter welchen Umständen in der DR Kongo Coltan geschürft wird.

Welche Umwelt- und Gesundheitsschäden können bei der Produktion von Handys entstehen?

Obwohl die Smartphones selbst immer energieeffizienter werden, hat insbesondere die Massenproduktion der Geräte enorme Auswirkungen auf die Umwelt.

Seit 2007 wurden wohl knapp 968 Terawattstunden (TWh) für die Herstellung der Handys aufgewandt – zum Vergleich: der Nettostromverbrauch in Deutschland lag im Jahr 2019 bei 512 TWh.

Die meisten Smartphones werden in China hergestellt und montiert.

Das Problem: die Fabriken beziehen den Strom aus dem zu 67% kohlenbasiertem chinesischen Stromsystem.

Doch nicht nur die Umwelt wird in Mitleidenschaft gezogen. Auch die Gesundheit der (Fabrik-) Arbeiter entlang der Lieferkette leidet.

So müssen z.B. kleine Bergbauer in der DR Kongo oft in großer Tiefe ohne Schutzausrüstung nach dem Rohstoff Kobalt graben.

Da die Minen oft nicht gesichert bzw. ausreichend abgestützt sind, müssen die Arbeiter das Risiko in Kauf nehmen, eingeschlossen zu werden und im Zweifel sogar zu ersticken.

Weiterhin sind Arbeiter in Halbleiterfabriken oft schutzlos gefährlichen Chemikalien ausgesetzt.[5]

Was passiert mit dem alten Handy?

Es ist unglaublich aber wahr: im Schnitt wird ein neues Smartphone nach dem Kauf nur 18 Monate (!) genutzt, bevor es schon wieder durch ein neues Gerät ersetzt wird.[6]

Mit geschicktem Marketing sowie immer neuen Features und (Schein-) Innovationen werden die Verbraucher regelmäßig zum Kauf eines neuen Smartphones animiert.

Da drängt sich die Frage auf, was eigentlich mit den alten Geräten geschieht? Schließlich stecken in den Handys wertvolle Rohstoffe und zum Teil auch giftige Stoffe – z.B. in den Akkus.

Aus diesem Grund dürfen die Geräte auch nicht einfach im Hausmüll entsorgt werden.

Einer aktuellen Umfrage zufolge lagern in den deutschen Haushalten mehr als 200 Millionen nicht mehr genutzte Alt-Handys. Ganze 85% der Bürger besitzen mindestens ein altes bzw. nicht genutztes Handy.

Dabei gibt es viele verschiedene Möglichkeiten, das alte Handy ordnungsgemäß loszuwerden.

— Weiterverkauf:
Die einfachste und mit Sicherheit auch attraktivste Möglichkeit, sein altes Smartphone loszuwerden, ist der Weiterverkauf. Voraussetzung ist hier natürlich, dass das Handy grundsätzlich noch funktioniert. Wer im privaten Umfeld keinen Abnehmer findet, kann sein Glück auch im Internet versuchen.

— das Handy spenden:
Wer mit seinem alten Smartphone noch etwas gutes tun will, kann es z.B. auch in die Handysammlung des NABU (Naturschutzbund) geben. In Kooperation mit Partnerunternehmen werden funktionsfähige Alt-Geräte aufbereitet und verkauft. Nicht mehr brauchbare Handys werden recycelt. Beim Verkauf der aufbereiteten Smartphones wird der NABU beteiligt. Das eingenommene Geld kommt dann Umweltschutz-Projekten zugute. Hier findest Du weitere Infos.

— zurück an den Händler:
Seit Juni 2017 müssen Händler bzw. Hersteller alte Elektrogeräte zurücknehmen – im Falle von Smartphones gilt dies auch dann, wenn im Gegenzug kein neues Gerät erworben wird. Händler, die dieser Rücknahmepflicht nicht nachkommen, müssen mit einem Bußgeld von bis zu 100.000 Euro rechnen. Davon betroffen sind sowohl stationäre als auch reine Online-Händler.

— zum Recyclinghof:
Alte Smartphones und Handys können natürlich auch ganz klassisch beim lokalen Recyclinghof abgegeben werden. Die Abgabe ist kostenlos.

Die CO2-Bilanz eines Handys

Die Website REPEDIA hat untersucht, wie viel CO2 ein Handy verbraucht.

Für die Berechnung des sogenannten „Product Carbon Footprints“ muss der ganze Lebenszyklus des Smartphones berücksichtigt werden. Dazu gehört also neben der reinen Nutzung auch die Produktion und der Vertrieb.

Natürlich kann der Wert durch verschiedene Nutzungsmuster stark schwanken – wer sein Handy dreimal täglich voll auflädt verursacht entsprechend mehr Emissionen als ein Nutzer, der mit einer vollen Ladung 2 Tage auskommt.

Ein durchschnittliches Smartphone verursacht über die gesamte Lebensdauer hinweg ca. 47 Kilogramm CO2.

Am Beispiel eines iPhone 4 lassen sich die Emissionen wie folgt aufteilen:

Produktion (57%)
Nutzung (34%)
Transport (8%)
Recycling (1%)

In dieser Rechnung fehlen jedoch noch die Emissionswerte, die im Zuge der Rohstoffgewinnung anfallen. Weiterhin handelt es sich um einen Einzelfall – ein Vergleich der Daten zwischen verschiedenen Modellen ist also nur bedingt möglich.

Warum ist es so schwierig ein faires Smartphone herzustellen?

Wie oben bereits angesprochen, ist es derzeit (noch) nicht möglich ein zu 100% faires Smartphone herzustellen. Für den Abbau diverser Rohstoffe gibt es bislang keine fairen Alternativen.

Die meisten Metalle, deren Eigenschaften für die Herstellung eines Smartphones unabdingbar sind, können darüber hinaus auch nicht einfach durch künstlich gewonnene Materialien ersetzt werden.

Im Wirkungsbericht von Shiftphone heißt es:

„Für die Herstellung eines vollständig fairen Smartphones ist nicht nur die Offenlegung sämtlicher Informationen aller Zulieferbetriebe erforderlich, sondern auch die zertifizierte Gewährleistung, dass diese Betriebe nach fairen Richtlinien agieren. Dies ist zum jetzigen Zeitpunkt noch für keinen Hersteller auf der Welt machbar.“[3]

Um die Gewinnung der Rohstoffe fairer zu gestalten, müssen die großen Hersteller wie z.B. Apple und Samsung ihre Marktmacht gezielt für einen nachhaltigeren Abbau einsetzen.

Denn im Vergleich zu den genannten Tech-Konzernen sind sowohl Shiftphone als auch Fairphone winzige Firmen, die – insbesondere in Form eines Social Business – nur wenig Möglichkeiten haben, einen Milliarden-Markt langfristig zu verändern.

Alleine Apple und Samsung besitzen gemeinsam einen Marktanteil von 42,5%.[7] Diese enorme Marktmacht verpflichtet die beiden Konzerne geradezu, in Zukunft auf faire Bedingungen und einen nachhaltigen Abbau der Rohstoffe zu bestehen.

Wie nachhaltig ist eigentlich Apple?

In den Augen vieler Verbraucher gibt das Unternehmen auch Jahre nach dem Tod von Steve Jobs in Sachen Design, Innovation und Technik immer noch den Takt vor.

Mit technischen Highlights und nicht zuletzt auch durch geschicktes Marketing versucht das Unternehmen, seine Kunden immer wieder aufs Neue zu begeistern.

Bleibt die Frage zu klären, wie nachhaltig es bei der Produktion seiner Produkte agiert.

Wir haben uns einmal genauer angeschaut, wie nachhaltig der Smartphone-Riese ist:

Environmental Progress Reports (Nachhaltigkeitsbericht)

Um ihrem nachhaltigen Engagement mehr Nachdruck zu verleihen, veröffentlicht Apple regelmäßig sogenannte „Environmental Progress Reports“ – also ein Bericht, der aufzeigt, wie nachhaltig das Unternehmen in diversen Bereichen agiert.

Der Bericht für das Jahr 2020 ist in drei Bereiche gegliedert:

  • „Climate Change“
  • „Resources“
  • „Smarter Chemistry“

Im Folgenden nehmen wir alle drei Bereiche einmal unter die Lupe:

Climate Change

Alle Büros, Rechenzentren und Apple-Stores werden mit 100% Ökostrom betrieben. Weiterhin wurde die CO2-Bilanz ausgehend vom Jahr 2015 um 35% reduziert.

Darüber hinaus haben sich laut Apple 71 Zulieferer dazu verpflichtet, für die Produktion von Apple-Geräten 100% Ökostrom zu nutzen.

Darunter auch die beiden deutschen Unternehmen tesa und Henkel.

Durch die Umstellung auf erneuerbare Energien seit 2011 wurde nach eigenen Angaben verhindert, dass mehr als 3,6 Millionen Tonnen CO2 in die Atmosphäre gelangen.

Resources

Bereits im Jahr 2017 hat Apple das Ziel ausgerufen, eines Tages alle Produkte nur noch aus recycelten bzw. nachwachsenden Materialien herzustellen.

Das Unternehmen gibt zu, dass es bis dahin noch ein sehr weiter Weg ist, verkündet aber bereits erste Erfolge:

Im Jahr 2019 stammten insgesamt 10% aller verwendeten Materialien aus recycelten bzw. erneuerbaren Quellen (über alle Produkte hinweg).

Selbstverständlich gelingt der Wandel zu einer möglichst nachhaltigen Produktion nicht über Nacht. In einer Tabelle bezieht das Unternehmen zum Status quo aller verwendeten Materialien Stellung und zeigt auch, woran es zur Zeit noch hakt.

Die wichtigsten Eckdaten für 2019 auf einen Blick:

  • ca. 22% des verwendeten Wolframs stammt aus recycelten Quellen
  • 100% der seltenen Erden, die in der sogenannten Taptic-Engine verbaut sind, stammen aus recycelten Quellen
  • das verwendete Zinn in den iPhones stammt aus recycelten Quellen
  • für alle Aluminium-Gehäuse der iPhones wurde entweder recyceltes oder kohlenstoffarmes Primäraluminium verwendet
  • innerhalb von 4 Jahren konnte der Anteil an Plastikverpackungen von 21% auf 8% reduziert werden
  • mithilfe schlauer Roboter können gebrauchte iPhones systematisch in ihre Einzelteile zerlegt werden, um so viele Materialien wie möglich zu recyceln

Smarter Chemistry

Im Rahmen der Kampagne „Mind the Store“ der US-amerikanischen Nichtregierungsorganisation „Safer Chemicals, Happy Families“ wurden die 43 größten Händler nordamerikas im Hinblick auf schädliche bzw. gefährliche Chemikalien in Produkten und/oder Verpackungen untersucht.

Mit 109.75 von 146.5 möglichen Punkten wurde Apple mit der Note A+ bewertet. Damit führt das kalifornische Unternehmen sogar die Rangliste der 43 größten Händler an.

Für Kopfhörer- und Netzkabel verzichtet Apple beispielsweise auf PVC und setzt stattdessen auf sogenannte Thermoplastische Elastomere (TPE).

Zwischenfazit: Apple auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit?

Apple ist sichtlich bemüht, in vielen Unternehmensbereichen nachhaltiger zu handeln.

Das MacBook Air mit Retina-Display aus dem Jahr 2019 bestand z.B. bereits zu 40% aus recycelten Materialien – für ein modernes High-Tech Gerät ist das sicherlich schon ein sehr guter Wert. Das geht aber selbstverständlich noch besser.

Das Unternehmen aus dem Silicon-Valley ist sicherlich auf einem guten Weg, das Engagement ist löblich.

Für einen direkten Vergleich mit dem FAIRPHONE und dem SHIFTPHONE reicht es allerdings noch nicht.

Das liegt vor allem daran, dass man für die Produktion der Geräte weiterhin auf Fabriken setzt, deren Arbeitsbedingungen immer noch zu weit entfernt sind von europäischen bzw. amerikanischen Standards.

Was ist dran an der geplanten Obsoleszenz?

Der Begriff der geplanten Obsoleszenz beschreibt eine Strategie, bei der die Lebensdauer von Produkten durch den Hersteller mit Vorsatz beschränkt wird, um regelmäßig neuwertige Produkte verkaufen zu können.

In den letzten Jahren wurde insbesondere Herstellern von Elektronikgeräten vorgeworfen, den Lebenszyklus ihrer Produkte gezielt zu steuern, sodass die Geräte vornehmlich nach Ablauf der Garantie den Geist aufgeben.

Eine solche Strategie ist nicht nur aus Sicht der Verbraucher sehr ärgerlich, sondern auch für die Umwelt eine Katastrophe, da in kürzerer Zeit immer mehr Geräte – und damit wertvolle Rohstoffe – auf dem Müll landen.

Das Problem: weder Ingenieure noch Wissenschaftler können den Herstellern den Einsatz solcher Methoden nachweisen.

Im Jahr 2003 erregte ein Video von Casey Neistat viel Aufmerksamkeit, in dem er öffentlichkeitswirksam anprangerte, dass sein iPod-Akku nach 18 Monaten den Geist aufgegeben habe und Apple kein Austauschprogramm für Akkus anbiete.

Von einem Support-Mitarbeiter wurde ihm stattdessen empfohlen, einfach einen neuen iPod zu kaufen.

Obwohl Apple kurz darauf einen entsprechenden Service für den Akkutausch einführte, liegt der Verdacht einer geplanten Obsoleszenz in diesem Fall durchaus sehr nahe.

Es gibt einige weitere Fälle, in denen Unternehmen verdächtigt wurden, die Lebensdauer ihrer Produkte bewusst manipuliert zu haben.

Welche Rolle spielt die psychologische Obsoleszenz?

Im Jahr 2016 veröffentlichte das Umweltbundesamt eine umfangreiche Studie, die nahelegt, dass Unternehmen die Lebensdauer von Produkten durchaus gezielt beeinflussen.

Im Vordergrund stehe dabei allerdings das Ziel, dass ein Gerät so lange hält wie nötig, aber nicht so lange wie möglich.

Denn was würde es bringen, ein Gerät zu entwickeln, das zwar 25 Jahre lang hält, von den Verbrauchern aber bereits nach 4-5 Jahren durch ein neues Gerät ersetzt wird?

Auf Seiten der Hersteller geht es also darum, abzuwägen, ob es sich überhaupt lohnt, Zeit und Geld in die Entwicklung eines langlebigen Geräts zu stecken, das vom Markt gar nicht gewollt ist.

Eine viel größere Rolle spielt demnach die sogenannte „psychologische Obsoleszenz“.

Damit ist gemeint, dass Verbraucher in der Regel bereits nach wenigen Jahren gerne auf neue, innovative Geräte umsteigen. Dies gilt insbesondere für technische Geräte, die sich in sehr kurzer Zeit rasant weiterentwickeln.

Sicherlich wird dieses Verbraucherverhalten von den Herstellern durch geschicktes Marketing gewissermaßen „ausgenutzt“.

Allerdings fällt es mir schwer, den Herstellern die gesamte Verantwortung für eine unerfreuliche Entwicklung in die Schuhe zu schieben.

Schließlich ist der Verbraucher kein willenloses Objekt, das der Werbung schutzlos ausgeliefert ist (auch wenn sich manchmal ein anderer Eindruck aufdrängt)…

Der erste Schritt besteht – wie so oft – darin, das Bewusstsein der Verbraucher für die Folgen seines Handelns zu stärken.

Fazit

Bei Lebensmitteln sind Fair-Trade Produkte mittlerweile Gang und Gäbe (z.B. Schokolade oder Kaffee).

In den Handy-Abteilungen großer Elektronikmärkte sucht man bislang jedoch vergebens nach Smartphones, die mit fair gewonnenen Rohstoffen werben oder die guten Arbeitsbedingungen der Fabrikarbeiter als Verkaufsargument vorbringen.

Mit dem FAIRPHONE und dem SHIFTPHONE haben sich in den letzten Jahren zwei Anbieter gezielt mit fairen / nachhaltigen Smartphones positioniert.

Trotz steigender Absatzzahlen ist der Marktanteil im Gegensatz zu den großen Tech-Konzernen à la Samsung & Co. verschwindend gering.

Wie so oft liegt die größte Macht aber bei uns Verbrauchern: Mit unserem Geldbeutel entscheiden wir, welche Unternehmen belohnt werden.

Quellen:

  1. [1] https://www.fairphone.com/de/impact/
  2. [2] https://www.youtube.com/watch?v=RdbK6Hgp_O8
  3. [3] https://www.shiftphones.com/downloads/SHIFT-wirkungsbericht-2019-05-10.pdf
  4. [4] https://www.youtube.com/watch?v=66tEqUX1XKo
  5. [5] https://www.greenpeace.de/sites/www.greenpeace.de/files/publications/s01981_greenpeace_report_10_jahre_smartphone.pdf
  6. [6] https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/was-tun-mit-alten-handys–468122
  7. [7] https://de.statista.com/statistik/daten/studie/451386/umfrage/weltweite-marktanteile-der-smartphone-hersteller-nach-quartal/