Die Birkenbihl-Methode zum Sprachen lernen erklärt (alle wichtigen Infos)

Autor: Nicolas Perez-Diehl Zuletzt aktualisiert: 12.10.2023

Auf dieser Seite erfährst Du, was die Birkenbihl-Methode zum Sprachen lernen ist und wie diese funktioniert. Außerdem zeige ich Dir, welche Sprachlern-Apps diese Methode nutzen.

Was ist die Birkenbihl-Methode?

Bei der Birkenbihl-Methode handelt es sich um eine Methode zum Sprachenlernen, die von der deutschen Trainerin und Autorin Vera F. Birkenbihl entwickelt wurde.

Die Methode verspricht, eine neue Sprache ohne das typische Pauken von Vokabeln erlernen zu können. In weiten Teilen orientiert sich der Ansatz an dem Prozess, mit dem wir als Babys und Kinder unsere eigene Muttersprache erlernt haben.

Vera F. Birkenbihl hat ihre Methode daher selbst gerne als „gehirn-gerecht“ bezeichnet.

Damit unterscheidet sich der Ansatz stark vom klassischen Sprachenlernen. Denn im Gegensatz zur Schule werden hier weder Vokabeln noch Grammatik-Regeln auswendig gelernt.

Das Vokabel-Pauken ist sogar verboten!

In einem Video erklärt Vera F. Birkenbihl warum:

„Einer [der Gründe], der gegen Vokabel-Lernen spricht, ist, dass wir Pseudo-Wörter lernen, die es nicht gibt. Wir lernen ‚Tisch-Table‘ – darum hängen die zehn Jahre später noch aneinander. […] Ich komme nie weg vom Deutschen.“[1]

Mithilfe der Birkenbihl-Methode entwickelst Du vor allem durch aktives und passives Hören ein intuitives Sprachgefühl, das dem eines Muttersprachlers nahekommt.

Gerade zu Beginn kann sich das tatsächlich ziemlich ungewohnt anfühlen, da man nicht den Eindruck hat, gerade tatsächlich etwas zu Lernen. Das legt sich in der Regel aber sehr schnell sobald sich die ersten Erfolgserlebnisse einstellen.

Wie funktioniert die Birkenbihl-Methode?

Die Birkenbihl-Methode basiert grundsätzlich auf 4 Lern-Schritten:

  1. Dekodieren
  2. Hören (aktiv)
  3. Hören (passiv)
  4. Weitere Lern-Aktivitäten

Die vier Schritte im Detail:

1. Dekodieren

Beim Dekodieren geht es grundsätzlich erstmal darum, die Bedeutung der neuen Worte zu verstehen. Dabei geht man ganz pragmatisch vor und schreibt die wortwörtliche 1:1 Übersetzung Wort für Wort in deutscher Sprache unter die Ziel-Sprache.

Das sieht dann z.B. so aus:

An old man and a young woman
Ein alt Mann und ein jung Frau

An old man and a young woman.
Ein alt Mann und ein jung Frau.

Das Ziel des Dekodierens ist ausdrücklich nicht, eine valide bzw. „gute“ Übersetzung zu finden, sondern die Wörter genau so zu übersetzen, wie sie dort stehen.

Hintergrund ist der, dass wir dadurch bereits ein Gefühl für die grammatikalische Struktur und ein allgemeines Gefühl für die Sprache bekommen.

Das ist wichtig, da wir die (Grammatik-) Regeln der neuen Sprache nicht bewusst lernen, sondern intuitiv kennenlernen. Vera F. Birkenbihl sagt dazu:

„Wenn wir also dekodieren, dann zeigen wir dem Hirn die Struktur der fremden Sprache und reden aber nicht über die Regeln. Die abstrahiert das Gehirn ganz alleine, wenn wir ihm ständig beim Dekodierten zeigen, [was die andere Sprache macht].“[1]

Im obigen Beispiel-Satz ist für den Lernenden z.B. direkt zu erkennen, dass die Adjektive („jung“ und „alt“) im Gegensatz zum Deutschen in ihrer Grundform verwendet werden.

2. Hören (aktiv)

Im zweiten Schritt geht es darum, sich den dekodierten Text anzuhören – dafür ist eine Ton-Aufnahme eines Muttersprachlers erforderlich.

Der Lernende versucht, den vorgetragenen Text Wort für Wort mitzulesen. Es ist nicht zwingend notwendig, sich beim Lesen ausschließlich auf die Ziel-Sprache zu konzentrieren. Im Gegenteil: Alle unbekannten Wörter werden in der Muttersprache mitgelesen.

Es geht darum, sich an den Klang und vor allem an die Struktur der neuen Sprache zu gewöhnen und den Sinn mithilfe des dekodierten Textes zu verstehen.

Hierzu kann die Ton-Aufnahme beliebig oft pausiert werden, um den Klang zu verinnerlichen.

Das aktive Hören ist abgeschlossen, wenn der Lernende den ganzen Text ohne die muttersprachliche Dekodierung verstehen kann (also ohne auf die Muttersprache zurückgreifen zu müssen).

Vera F. Birkenbihl spricht hier gerne davon, dass die muttersprachliche „Krücke“ jetzt weggeworfen werden kann. Ab jetzt kann sich der Lernende voll auf die Ziel-Sprache konzentrieren.

3. Hören (passiv)

Im dritten Schritt wird das aktive Hören in passives Hören umgewandelt. Es geht jetzt nicht mehr darum, zu versuchen, den Text inhaltlich zu verstehen, sondern nur darum, sich an die Sprache zu gewöhnen.

Vera F. Birkenbihl beschreibt es so:

„[Das] passive Hören sorgt dafür, dass wir die Nervenbahnen im Kopf aufbauen, um anschließend selber sprechen zu können. Wir können nichts sprechen, was wir vorher nicht gehört haben. […] Wir müssen abgelenkt sein – wenn wir andauernd hinhören ist es nicht passiv.“

Dieses passive Hören bildet am ehesten den Lern-Prozess nach, den wir als Baby durchlaufen haben, als wir ständig von unserer Muttersprache umgeben waren. Man könnte es auch mit einer Mini-Sprachreise in das Land, in dem die Sprache gesprochen wird, vergleichen.

Was das passive Hören für Lernende so interessant macht, ist aber natürlich die Tatsache, dass man die Lektionen bzw. die Ton-Aufnahmen nebenbei hören kann, während man andere Dinge tut. Man muss sich also nicht extra Zeit nehmen, um zu lernen.

Je nach Länge lassen sich die Audio-Lektionen sehr gut in den normalen Alltag integrieren (bei Haushaltsaktivitäten oder unterwegs in der Bahn oder im Auto).

Laut Vera F. Birkenbihl ist es sogar erlaubt, gleichzeitig Musik zu hören oder einen Film anzuschauen – also Aktivitäten, die selbst Töne produzieren.

Das passive Hören ist absolut essentiell, wenn der Lernende die Sprache selbst sprechen möchte. Wenn es nur darum geht, geschriebenen Text zu verstehen, ist das passive Hören kein Muss.

4. Weitere Lern-Aktivitäten

Im vierten Schritt stehen verschiedene weitere Lern-Aktivitäten an – je nach dem, welches Ziel der Lernende verfolgt. Meist geht es darum, die Sprache aktiv zu sprechen.

Um das Sprechen zu üben, bietet es sich an, die bislang verwendeten Audio-Lektionen mitzusprechen. Zu Beginn erst leise und dann mit der Zeit immer lauter bis die Unterstützung des Muttersprachlers nicht mehr benötigt wird.

Mit diesem letzten Schritt sollte allerdings wirklich erst begonnen werden, wenn die Audio-Lektionen ohne Probleme vollständig verstanden werden.

Wie effektiv ist die Birkenbihl-Methode?

Die Birkenbihl-Methode wird von vielen Lernenden als sehr effektiv bzw. effektiver als klassische Methoden bezeichnet.

Das liegt vor allem darin begründet, dass sich die Methode zu weiten Teilen am natürlichen Sprachenlernen orientiert und somit als „gehirngerecht“ bezeichnet wird.

Es werden weder Vokabeln noch Grammatik-Regeln auswendig gelernt. Die Regeln der neuen Sprache werden vom Lernenden vielmehr intuitiv aufgenommen und verstanden.

In unserer heutigen schnelllebigen Zeit punktet die Methode bei den Lernenden natürlich auch durch die sehr zeitsparenden Audio-Lektionen, die nebenbei angehört werden können.

Außerdem fallen klassische Übungen wie z.B. Aufgaben zum Einsetzen oder Zuordnen komplett weg. Da das Dekodieren der Sprache von Apps übernommen wird, ist die Birkenbihl-Methode mit vergleichsweise wenig Arbeit verbunden, was die Motivation zusätzlich steigert.

Hat die Birkenbihl-Methode Nachteile?

Ja, auch die Birkenbihl-Methode ist nicht frei von Nachteilen. Wie stark diese ins Gewicht fallen, hängt u.a. aber auch von Deinen Zielen und Deiner persönlichen Erwartungshaltung ab.

Hier eine Übersicht mit (möglichen) Nachteilen:

  • Regeln werden nicht vermittelt
    Bei der Birkenbihl-Methode werden keinerlei grammatikalische Regeln vermittelt. Das ist für viele Lernende ein großer Vorteil, kann aber natürlich auch als Nachteil ausgelegt werden. Besonders wenn es darum geht, selbst zu sprechen, wird der Satzbau ausschließlich über das antrainierte Sprachgefühl gesteuert, nicht über Regeln. Es gibt sozusagen keine Selbstkontrolle, ob das gesagt grammatikalisch wirklich richtig ist.
  • Keine sofortigen Erfolgserlebnisse
    Da bei der Birkenbihl-Methode u.a. keine Vokabeln abgefragt werden, gibt es keine direkten bzw. kurzfristigen Erfolgserlebnisse. Das Gefühl des Lernerfolgs stellt sich meist erst mit der Zeit ein, dann aber sehr stark. Irgendwann merkt man plötzlich deutlich, dass einem die neue Sprache gar nicht mehr fremd vorkommt und dass man die Muttersprachler sehr gut verstehen kann. Darauf muss man sich einlassen.
  • Schwammiges Lerngefühl
    Ganz grundsätzlich fühlt sich das Lernen mit der Birkenbihl-Methode zu 90% nicht wie Lernen an. Es gibt keine konkreten Übungen, bei denen man sich auch selbst beweisen kann, dass man Fortschritte macht. Auf dieses spezielle Lern-Erlebnis muss man sich einstellen.

Erfahrungsberichte zur Birkenbihl-Methode

Im Internet finden sich hier und da Erfahrungsberichte von Lernenden, die ihre Erfahrungen mit der Birkenbihl-Methode teilen. Es gibt aber leider keine zentrale Plattform, auf der Erfahrungen geteilt werden können.

Ich empfehle daher, die zahlreichen Rezensionen für die beiden Apps Jicki und Birlingo zu lesen, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie andere über die Birkenbihl-Methode denken.

Du findest die Erfahrungsberichte entweder in den jeweiligen App-Stores, bei Google und bei anderen unabhängigen Bewertungsplattformen wie z.B. eKomi.

Mit welchen Apps kann ich mit der Birkenbihl-Methode lernen?

Grundsätzlich finden sich einzelne Elemente der Birkenbihl-Methode in vielen bekannten Sprachlern-Apps wider.

Allerdings gibt es seit Kurzem auch Apps, die das Sprachenlernen mit der Birkenbihl-Methode mehr oder weniger 1:1 nachbilden.

Zu nennen wären hier vor allem die beiden Apps Birlingo, Jicki und Lingopie.

Während sich Birlingo sehr nah am Original orientiert und die Schritte 1 bis 3 ziemlich gut nachbildet, verzichtet Jicki z.B. auf eine Wort für Wort Übersetzung, wie sie von Vera F. Birkenbihl empfohlen wird. Stattdessen wird hier eine „normale“ Übersetzung verwendet.

Was beide Anbieter gemeinsam haben, sind aber die Audio-Lektionen, die von Muttersprachlern eingesprochen wurden.

Birlingo wirbt sogar mit einer Lern-Garantie, die besagt, dass Du den „Grundwortschatz zur selbständigen Sprachanwendung gemäss dem Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen für Sprachen (GERS)“ erreichst, wenn Du Dich an die entsprechenden Lernzeiten hältst:

Die App Lingopie hat den Vorteil, dass es eine Netflix-Integration gibt, sodass Du mithilfe von bekannten Filmen und Serien „lernen“ kannst. 😉

Im Gegensatz zu anderen Sprachlern-Apps, die einen eher klassischen Ansatz verfolgen, haben Birlingo und Jicki aber natürlich einen riesigen Vorteil:

Das Pauken von Vokabeln und Grammatik-Regeln fällt komplett weg!

Das macht die beiden Anbieter vor allem für Menschen attraktiv, die sich schon in der Schule schwergetan haben, einen neue Sprache zu lernen.

Quellen:

  1. [1] https://www.youtube.com/watch?v=gArcj7xySaM